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Kinder und Jugendliche heute und damals – Ein Generationsvergleich mit Fokus auf soziale Medien und psychische Gesundheit

Könnt Ihr euch noch erinnern? Ich, der in den 90iger Geborenen, erlebten eine Kindheit, die vor der digitalen Explosion stattfand. Eine Zeit, in der das Draussenspielen und das Entdecken der Welt ohne die ständige Präsenz von Smartphones und sozialen Medien geschah. Wisst ihr noch als, als das Internet ein Ort war, wo wir uns getroffen haben? Wir, die Generation die noch unbeschwert die Welt erkunden konnte, ganz im Gegensatz zu den heutigen Kindern und Jugendlichen, deren Alltag tiefgreifend von digitaler Technologie und Online-Kommunikation geprägt ist. Diese Entwicklung stellt eine völlig andere Basis für Herausforderungen dar, insbesondere im Hinblick auf psychische Gesundheit.

Die 1990er und 2000er Jahre: Eine Ära des Umbruchs

In den 90ern, als Plattformen wie Myspace und Netlog gerade erst aufkamen, war das Internet noch ein Raum der unbegrenzten Möglichkeiten und nicht der permanenten Überwachung. Facebook, das 2004 startete, brachte schließlich die sozialen Netzwerke in den Mainstream und legte den Grundstein für die intensive Vernetzung, die wir heute kennen.



Die 2020er Jahre: Das Zeitalter der digitalen Natives

Heute sind Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat aus dem Alltag der meisten Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Fast 98% der Jugendlichen in der Schweiz sind aktiv in sozialen Netzwerken. Diese Werkzeuge der Vernetzung haben zweifellos viele Türen geöffnet, bergen jedoch auch signifikante Risiken[^1].


Cybermobbing: Das unsichtbare Leid

Cybermobbing hat sich als ernstzunehmende Bedrohung etabliert. Die Anonymität und Reichweite des Internets erleichtern Übergriffe, die schwerwiegende psychische Folgen nach sich ziehen können. Solche Aktionen hinterlassen Spuren, die durch die Persistenz digitaler Inhalte kaum zu beseitigen sind und eine ständige Quelle von Angst und Stress darstellen. Ein nie endender Kampf: Im Unterschied zu traditionellem Mobbing, das oft mit dem Schulschluss endet, ist Cybermobbing ubiquitär und pausenlos. Kinder und Jugendliche tragen ihre Smartphones und damit den Zugang zu ihren sozialen Medien stets bei sich, was bedeutet, dass beleidigende und schädigende Kommentare sie jederzeit erreichen können. Dies untergräbt ihre Sicherheit und das Gefühl von Zuflucht, das das Zuhause normalerweise bietet[^2].



Statistiken und Auswirkungen auf die psychische Gesundheit- Die Zunahme psychischer Erkrankungen

In den letzten zwei Jahrzehnten hat die Prävalenz von Depressionen und Angststörungen unter Jugendlichen dramatisch zugenommen. Laut Studien sind heute etwa 25% der Jugendlichen in der Schweiz von Depressionssymptomen betroffen, ein Anstieg von über 10% im Vergleich zu den frühen 2000ern. Angststörungen zeigen eine ähnliche Tendenz, mit einer Verdopplung der Fälle im gleichen Zeitraum[^3].


Depressionen: Konstante Online-Präsenz und der Druck, auf sozialen Medien perfekt zu erscheinen, haben zu einem Anstieg von Depressionen geführt. Junge Menschen vergleichen sich ständig mit den sorgfältig kuratierten Bildern ihrer Peers, was zu Unzufriedenheit und Selbstzweifeln führen kann[^4].


Angststörungen: Die ständige Nachrichtenflut und die Angst, etwas zu verpassen (FOMO – Fear of Missing Out), verstärken das Gefühl von Unruhe und Sorge, was häufig in sozialer Rückzug mündet[^4].


Schlafstörungen: Die Nutzung von Bildschirmen vor dem Schlafengehen ist verbreitet und beeinträchtigt den natürlichen Schlafzyklus, was nicht nur die psychische, sondern auch die physische Gesundheit beeinflusst[^5].


Selbstwertprobleme: Die Darstellung unrealistischer Lebensstandards kann bei Jugendlichen zu ernsthaften Selbstwertproblemen führen, die oft mit sozialen Medien in Verbindung gebracht werden[^3].



Positive Aspekte der sozialen Medien

Trotz der Risiken bieten soziale Medien auch bedeutende Vorteile, die die Entwicklung und das Wohlbefinden der Jugendlichen fördern können:


1. Förderung der Kommunikation und Vernetzung: Soziale Medien erleichtern die weltweite Kommunikation und helfen, Beziehungen über große Distanzen zu pflegen.


2. Zugang zu Informationen und Bildung: Plattformen wie YouTube und spezialisierte Foren haben das Lernen revolutioniert, indem sie kostenlosen Zugang zu Bildungsressourcen bieten.


3. Selbstausdruck und Identitätsbildung: Jugendliche nutzen soziale Medien, um ihre Kreativität und Persönlichkeit durch Kunst, Musik und Literatur auszudrücken.


4. Unterstützung und Gemeinschaftsbildung: Online-Communities bieten Jugendlichen, die sich isoliert fühlen, Unterstützung und Anerkennung.


5. Aktivismus und soziales Engagement: Soziale Medien dienen als Plattform für Jugendliche, sich für soziale und politische Anliegen zu engagieren.


6. Karrierechancen und Netzwerkbildung: Plattformen wie LinkedIn bieten wichtige Netzwerkmöglichkeiten und Karrierechancen.


7. Mentale Gesundheitsressourcen: Viele Organisationen nutzen soziale Medien, um Aufklärung über psychische Gesundheit zu betreiben und Unterstützung anzubieten.


Schlussfolgerungen

Die digitale Ära hat das Gesicht der Jugend verändert und stellt neue, komplexe Herausforderungen dar. Ein umfassendes Unterstützungsnetzwerk, wie es durch die  psychiatrische Spitex bereitgestellt wird, ist entscheidend, um die psychische Gesundheit der nächsten Generationen zu schützen und zu fördern. Indem wir die positiven Aspekte der sozialen Medien nutzen und gleichzeitig die Unterstützung für diejenigen stärken, die unter den negativen Auswirkungen leiden, können wir eine ausgewogenere und gesündere Zukunft für unsere Jugend schaffen.


Die Macht des Lesens: Zurück in die Vergangenheit

In einer Zeit, in der Scrollen das neue Atmen ist und TikTok-Binges den Tagesrhythmus bestimmen, mag das Aufschlagen eines Buches wie ein Akt aus einer längst vergangenen Ära wirken. Doch überraschenderweise (oder auch nicht), Bücher haben es noch drauf! Während digitale Medien uns oft zu Sklaven der sofortigen Belohnung machen, bietet das Lesen eines guten alten Buches eine Flucht in die Langsamkeit – ein echter Luxus in unserer High-Speed-Welt.

Stellen Sie sich vor: Keine Pop-ups, keine Benachrichtigungen, nur Sie und die Seiten, die flüstern statt zu schreien. Studien haben gezeigt, dass regelmäßiges Lesen nicht nur die Konzentrationsfähigkeit steigert, sondern auch das Empathievermögen verbessert – eine Fähigkeit, die in 240 Zeichen selten voll zur Entfaltung kommt. Bücher fordern uns heraus, tiefer zu denken, langsamer zu verarbeiten und vielleicht sogar das ein oder andere neue Wort zu lernen, das über „LOL“ und „OMG“ hinausgeht[^6].



Quellen:

[^1]: Bundesamt für Statistik (BFS). (2022). "Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche in der Schweiz."

[^2]: Swiss Federal Statistical Office. (2021). "Cybermobbing bei Jugendlichen in der Schweiz: Eine unterschätzte Gefahr."

[^3]: Swiss Health Observatory. (2020). "Bericht zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz."

[^4]: Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. (2022). "Studie zur Zunahme von Angststörungen bei Jugendlichen."

[^5]: Sleep Health Foundation. (2021). "Impact of Screen Time on Sleep in Adolescents."

[^6]: National Reading Foundation. (2023). "The Benefits of Reading: How Engaging with Books Can Transform Our Mental Health."

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